„Nicht das Alter macht gebrechlich, sondern Inaktivität“ – unter diesem Motto startete zu Weihnachten 2025 die Physio- und Ergotherapie des Gesundheitszentrums Haslach das Bewegungsprogramm „Fit im Alter“ für BewohnerInnen und Angehörige im Altenheim Haslach. Diese einzigartige Initiative soll die Bewegung von Senioren im Alltag fördern, um die Mobilität zu erhalten und Stürze zu vermeiden. „Außerdem sollen die acht Übungen auch ein bisserl Spaß machen und Abwechslung bringen“, sagt Michael Kasper, Physiotherapeut im PVZ Haslach und Teil des Projektteams, dem auch die Initiatorin und Physiotherapeutin Romana Karlsböck sowie Ergotherapeutin Christina Jung angehören.
Stürze sind ein Hauptrisiko für alte Menschen, um zum Beispiel Oberschenkelhals-, Hüft-, Arm- oder Wirbelbrüche zu erleiden, von denen sich viele nicht mehr vollständig erholen und auf Hilfe angewiesen bleiben. „Kraft, Gleichgewicht und Koordination zu schulen und somit Stürzen vorzubeugen, war eines der Motive Übungen, die wissenschaftlich fundiert und für das Training alter Menschen sinnvoll sind, zu entwickeln.
Wir sind im PVZ auch manchmal mit der Frage Angehöriger konfrontiert worden, was diese dazu beitragen können, die Mobilität ihrer betagten Familienmitglieder zu erhalten bzw. zu verbessern. Wichtig war uns, dass wir ein Bewegungsprogramm kreieren, das die alten Menschen leicht alleine oder eben mit Angehörigen absolvieren können und das Pflegepersonal im Heim dazu nicht als Hilfe notwendig ist, denn dieses wollen wir nicht zusätzlich belasten“, erzählt der Physiotherapeut Michael.
Kräftigen und Gleichgewicht schulen
Zur Initiative im Altenheim wurde das Therapeut:innentrio durch ein Projekt, das sie im Klinikum Rohrbach gesehen haben, angeregt. Auch dort werden etwa auf der Akutgeriatrie Patient:innen durch Übungsplakate motiviert, selbständig zu trainieren. „Wir dachten, Ähnliches wäre auch im Altenheim sinnvoll und stellten acht Übungen zusammen, die verschiedene Muskelgruppen trainieren, das Gleichgewicht sowie die Koordination verbessern und auch das Gehirn etwas fordern“, sagt Michael Kaspar.
„Uns war wichtig drei Schwierigkeitsstufen pro Übung anzubieten, sodass jede und jeder mitüben kann. Wir haben auf dem Gang mit Handlauf Plakate im A3-Format aufgehängt, auf denen jede Übung mit Wiederholungen detailliert beschrieben wird und aufgezeichnet ist. Die Übungen sind sicher, einfach und wirksam. Auch Flyer zu unserem ‚Fit im Alter‘ liegen im Heim an verschiedenen Orten auf“, erklärt das Therapeut:innenteam. Alle notwendigen Materialien sind bei jeder der acht Stationen zur Verfügung.
Initiative bringt gesunde Abwechslung in Alltag und Besuchszeit
Vorerst ist die Initiative auf eine der vier Wohneinheiten im Altenheim beschränkt. Jede Bewohnerin und jeder Bewohner – auch von einer anderen Wohneinheit – hat Zugang und kann üben. „Wir hoffen, dass sich vielleicht auch Kleingruppen bilden, in denen gemeinsam geübt wird, weil das motiviert und auch einen geselligen Aspekt hat. Die Pflegeleitung begrüßt und unterstützt unsere Initiative. Wir bitten alle Angehörigen einzelne oder auch alle Übungen aus unserem Förderungs- und Präventionsprogramm mit ihren Lieben im Heim, die dazu noch imstande sind, bei ihren Besuchen durchzuführen. Vielleicht lassen sich Mutter, Vater, Oma oder Opa auch dazu animieren, selbständig an den Stationen zu trainieren – ohne Stress und in eigenem Tempo“, sagt das Physiotherapeut:innenteam. Die Initiative bietet die Chance Besuche nicht nur passiv und sitzend, sondern aktiv und abwechslungsreich zu verbringen.
Übungsbeispiele:
- Vom Sitzen zum Stehen zur Kräftigung: Man sitzt auf einem Sessel und übt mehrmals hintereinander das Aufstehen – je nach Leistungsvermögen mit oder ohne Anhalten, langsam oder schneller.
- Liniengang zur Schulung des Gleichgewichts/der Koordination: Einen Fuß nach dem anderen auf einer Linie aufsetzen. Wer sicher genug ist, kann versuchen, während des Gehens einen Luftballon durch Anstupsen mit der Hand in der Luft zu halten.
- Muskeltraining im Sitzen: Man sitzt auf einem Stuhl und streckt die Beine abwechselnd mit oder ohne Gewichtsmanschette (je nach Muskelkraft). nach vorne.
Im Februar will das Therapeut:innenteam ihre Initiative erstmals evaluieren und eruieren, ob und wie das Präventivprogramm angenommen wird. „Dazu sollen die Beteiligten befragt werden, zeigen sich Schwachstellen, werden wir die eine oder andere Übung adaptieren. Wenn das Programm angenommen wird, was wir sehr hoffen, werden wir es auf alle vier Wohneinheiten ausrollen,“ sagen die TherapeutInnen der Initiative und appellieren an alle Angehörigen mit „Fit im Alter“ sich und ihren Lieben im Altenheim „bewegte“, gesellige und gesundheitsfördernde Minuten zu schenken!


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