Social Prescribing im Gesundheitszentrum – Hilfe bei Einsamkeit, Überforderung und finanziellen Sorgen

Etwa jeder fünfte Besuch bei AllgemeinmedizinerInnen hat keinen medizinischen Hintergrund. Einsamkeit, finanzielle Sorgen, psychische Belastung, Überforderung etc. beeinträchtigen das Wohlbefinden. Social Prescribing schließt im Gesundheitszentrum Haslach diese Lücke. Sozialarbeiterin Amélie Wiegand und Physiotherapeutin Elisabeth Reiter beraten Betroffene und suchen nach Angeboten in der Gemeinde, um Lebensqualität und Selbstwirksamkeit der PatientInnen zu verbessern.

Der Mensch ist ein Leib-Geist-Seele-Wesen, daher beeinflussen auch viele Faktoren und Lebensumstände seine Gesundheit. „Wenn Sie sich seelisch überlastet fühlen, etwa wenn Sie Angehörige pflegen; wenn sie einsam sind; wenn Sie Unterstützung bei Behördengängen brauchen oder wenn Sie soziale Kontakte für Freizeitaktivitäten oder Sport suchen, sind Sie bei uns richtig“, sagen die sogenannten Link-Working-Beauftragten Wiegand und Reiter. Die ÄrztInnen des Gesundheitszentrums weisen den beiden Expertinnen PatientInnen zur Beratung zu, die psychosoziale Hilfe und Begleitung brauchen.

„Niemand muss sich seiner seelischen Not schämen. Wir ermitteln die individuellen Bedürfnisse und Ressourcen der Menschen und versuchen passende Unterstützung und Angebote in der Gemeinde zu finden“, erklärt die Physiotherapeutin Elisabeth Reiter. „In Netzwerkarbeit, wie zum Beispiel mit dem GES.UND Büro Haslach, können je nach Bedarf Angebote wie etwa Mittagstisch, Begegnungswerkstatt, Gesprächskreis für pflegende Angehörige, Treffpunkt Deutsch, Gedächtnistraining, Rüstig statt Rostig-Bewegung für SeniorInnen, Erinnerungscafe, GEHspräche-Gruppe etc. vermittelt werden“, sagt die Sozialarbeiterin Amélie Wiegand.
Konkrete Info über die einzelnen Angebote bekommt man im Gesundheitszentrum und finden Sie auf unserer Website.

 

Psychosoziale Belastungen können krank machen

Social Prescribing verbindet PatientInnen des Primärversorgungszentrums Haslach, die gesundheitsrelevante psychosoziale und emotionale Probleme und Bedürfnisse haben mit regionalen Angeboten außerhalb des medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Settings, um Gesundheit, Wohlbefinden und soziale Integration der Betroffenen zu fördern.

Vor einigen Jahren hat Social Prescribing in Haslach Einzug gehalten, von 2026 bis 2028 wird diese Initiative im Rahmen eines Projekts von der EU offiziell gefördert. Social Prescribing ist derzeit kein flächendeckendes Angebot, sondern wird nur in ausgewählten Einrichtungen umgesetzt und evaluiert.

„Wir freuen uns über weitere Angebote und Anregungen aus der Bevölkerung“

„Wir sind über jede Initiative und jeden regionalen Verein dankbar, der sich mit einem Angebot, ob für kreative Freizeitgestaltung oder Bewegung bei uns meldet. Das kann zum Beispiel von Schuldnerberatung über Kochkurs, Seniorentanz, Nachbarschaftshilfe bis zu Selbsthilfe- oder Wandergruppe reichen“, erklären die Link-Working-Expertinnen des Gesundheitszentrums. Die Angebote sollen niederschwellig sein. „Es geht um Vernetzung. Auch Ideen aus der Bevölkerung etwa für Freizeitkurse sind willkommen. Wir lassen unsere PatientInnen nicht allein, begleiten sie, wenn notwendig auch zu Ämtern und helfen bei Anfangsschwierigkeiten in eine Gruppenaktivität hineinzufinden“, sagen Reiter und Wiegand.

 

Gemeinsam gegen Isolation, Stress, Überforderung

 „Zu unseren Beratungen kommen vor allem ältere, alleinstehende sowie einsame Menschen mit sozialen Ängsten, solche mit instabilen Lebenssituationen und jene, die sich angesichts einer psychosozialen Krise überfordert fühlen. In Haslach haben wir vonseiten des GES.UND Büros und der Gemeinde vielseitige und wechselnde Angebote für die PatientInnen. Unser Fokus liegt derzeit bei den kleineren Gemeinden der Umgebung, damit auch die dort lebenden Menschen einfacheren Zugang du den Angeboten finden, sagt Amélie Wiegand. Die Sozialarbeiterin weist darauf hin, dass sie aus diesem Grund aktuell jeden Donnerstag 10:00 bis 15:00 Uhr in St-Stefan-Afiesl im Gemeindeamt Sozialberatung anbietet (Anmeldung bei Amelie Wiegand im Gesundheitszentrum Haslach).

Ziel von Social Prescribing ist es, die psychosoziale Gesundheit sowie das Gemeinschaftsgefühl in der Bevölkerung zu verbessern, die Vernetzung in der Region zu fördern und die Allgemeinmedizin zu entlasten.

Info zu Social Prescribing: bei Amelie Wiegand und Elisabeth Reiter im Gesundheitszentrum Haslach; amelie.wiegand@hausarztmedizinplus.at oder elisabeth.reiter@hausarztmedizinplus.at.

 

 

Fotos: freepik / magnific

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