Migräne kann im Alltag sehr belastend sein und zeigt verschiedene Formen und begleitende Beschwerden. Betroffen sind, von der nach Spannungskopfschmerzen zweithäufigsten Form von Kopfschmerz, mehr Frauen als Männer. Je nach Intensität und Anzahl der Attacken wird eine multimodale Schmerztherapie empfohlen.
Stark pulsierender Schmerz, meist an einer Kopfseite, der mit Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen einhergeht – so präsentiert sich ein typischer Migräneanfall. Er kann je nach Form individuell aber auch ganz anders aussehen. In Österreich leiden laut Statistik Austria rund 1 Million Menschen an Migräne. Man unterscheidet zwischen episodischer und chronischer Migräne, zwischen solcher mit und ohne Aura. Meist dauert eine Attacke zwischen vier und 72 Stunden.
Bei der episodischen Form leiden Betroffene in unterschiedlich großen zeitlichen Abständen bis zu 14 Tage pro Monat an Migräne. Wer an mindestens 15 Tagen pro Monat über drei Monate hinweg unter Kopfschmerzen leidet, die mindestens acht Tage als Migräne zu werten sind, wird als PatientIn mit chronischer Migräne eingestuft.
Sich bei einer Attacke in einen abgedunkelten Raum zurückziehen und hinlegen. Bewegung verstärkt die Schmerzen. Der Schmerz kann innerhalb einer Attacke oder von Anfall zu Anfall auch die Seite wechseln.
Genetische Komponente vorhanden
Die Ursachen sind nicht restlos geklärt, eine genetische Komponente scheint zu existieren, weil Migräne familiär gehäuft auftreten kann. Immer dann, wenn Migräneattacken den Alltag beeinträchtigen, ist ärztliche Begleitung unumgänglich. Erste Ansprechpartner sind die HausärztInnen. Ziel der Behandlung ist es, dass eine akute Attacke innerhalb von zwei Stunden abklingt und bei häufigen Attacken die Zahl der monatlichen Migränetage um mindestens 50 Prozent reduziert wird.
Die PatientInnen selbst können einiges zur erfolgreichen Behandlung beitragen: Dazu zählen ausreichende Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige Mahlzeiten und genügend Schlaf ebenso wie Ausdauersport oder Entspannungstraining wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training, aber auch Yoga, Meditation oder Qi Gong können helfen. Mit zunehmendem Alter kann es sein, dass die Anfälle weniger werden.
Dank beachtlicher Therapie-Fortschritte gelingt es heute in den meisten Fällen, die Lebensqualität von PatientInnen mit Migräne deutlich zu verbessern.

Auslöser herausfinden
Auf Basis der erblichen Veranlagung kommt es durch innere und/oder äußere Trigger zu einer Migräneattacke. Bekannte Auslöser sind:
- Stress körperlicher oder psychischer Art
- Veränderung im Schlaf/Wach-Rhythmus wie etwa bei Schichtdienst
- Reizüberflutung: Das Gehirn muss zu viele Eindrücke auf einmal verarbeiten
- Wetter und Wetterwechsel: Ob Föhn, Sturm, Kälte, es gibt kein typisches Migränewetter; Betroffene reagieren individuell.
- Bestimmte Lebens- und Genussmittel: Manche Menschen reagieren zum Beispiel auf Bananen, Rotwein, Zitrusfrüchte, Schokolade oder Nikotin mit Migräne. Tyramin, ein Abbauprodukt von Aminosäuren kann ein Grund dafür sein.
- Hormonelle Veränderungen: Geschlechtshormone haben einen starken Einfluss, daher leiden ab der Pubertät und Beginn der Menstruation viel mehr Frauen an Migräne. Der Abfall von Östrogen kurz vor der Blutung kann ein Auslöser sein, dass mit Beginn der Blutung die Migräne kommt. Auch die Pille kann Migräne auslösen. Mit dem Wechsel kann sich die hormonell bedingte Form verabschieden.
Bei der Diagnose gilt es andere Erkrankungen wie etwa Spannungs- oder Clusterkopfschmerz, Tumore, Entzündungen oder einen Schlaganfall auszuschließen. Ein Migräne-Tagebuch, das Betroffene führen, kann bei der Diagnose und Therapie helfen.
Verschiedene Formen
Migräne ohne Aura: Sie ist die häufigste Form mit den typisch anfangs beschriebenen anfallsartigen pulsierenden oder stechenden einseitigen Schmerzen mittlerer bis starker Intensität.
Migräne mit Aura: Die Aura bezeichnet neurologische Symptome, welche der Schmerzphase vorausgehen oder zusammen mit dem Kopfweh auftreten. Die Beschwerden setzen schleichend ein, meist nacheinander und einseitig.
Man unterscheidet folgende Aura-Symptome:
- Visuelle sind die häufigsten: Sehstörungen wie Flimmern, Lichtblitze, Sehen von gezackten Linien,
- Sensorische: nadelstichartige Missempfindungen auf einer Seite sind zweithäufigste Symptome
- Motorische: Bewegungsstörungen wie Schwächen oder Lähmungen etwa in einem Arm kommen selten vor
- Hirnstammbeteiligung: Ohrgeräusche, Doppelbilder, Sprach- und Bewusstseinsstörungen, Schwindel
- Retinale: Bei der Netzhautmigräne zeigt sich Flimmern oder Gesichtsfeldausfall, eventuell vorübergehende Erblindung. Kopfschmerzen können manchmal ausbleiben.
Migräne-Komplikationen oder Sonderformen:
- Status migraenosus: Die Attacke dauert länger als 72 Stunden an und ist sehr stark beeinträchtigend.
- Migranöser Infarkt: Ein oder mehrere Aurasymptome dauern länger als 60 Minuten an. Ein bestimmtes Hirnareal wird dadurch minderdurchblutet, sodass Zellen absterben.
- Epileptischer Anfall, der durch die Migräne getriggert wird.
- Vestibuläre Migräne: Sie ist gekennzeichnet durch starken Schwindel, weil das Innenohr mit dem Gleichgewichtsorgan beteiligt ist. Der Schwindel hält fünf Minuten bis 72 Stunden an. 50 % der Betroffenen haben zusätzlich eines der Symptome von Kopfschmerzen, Licht- und Lärmempfindlichkeit oder Sehstörungen.
- Wiederkehrende Magen-Darm-Störungen: sind eine Form der Migräne. Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen kommen unregelmäßig wieder und können mit Migräne in Verbindung stehen.
Besonders bei Kindern wird diese abdominelle Migräne beobachtet: Sie äußert sich in wiederkehrenden Bauchschmerzattacken von zwei bis 72 Stunden Länge, zu der Appetitlosigkeit, Blässe, Übelkeit, Erbrechen kommen können. Kopfschmerzen treten dabei nicht auf.
Überhaupt sind bei Kindern mit Migräne die Kopfschmerzen oftmals weniger stark und treten beidseitig auf. Schwindel, Müdigkeit, Blässe und Geruchsempfindlichkeit sowie die genannten Bauchschmerzen sind häufig. Auslöser bei Kindern ist oft körperlicher oder seelischer Stress.
Der Fokus der Therapie liegt bei den kleinen PatientInnen auf nicht-medikamentöser Behandlung; bei den Medikamenten gibt es andere Präparate wie bei Erwachsenen.
Oftmals dauert es lange bis bei Kindern Migräne erkannt wird; eben weil ihre Symptome etwas abweichen und Kinder ihre Beschwerden nicht genau beschreiben können.
Ist der Anfall vorbei können sich PatientInnen müde, erschöpft und gereizt fühlen. Schwäche und Konzentrationsstörungen können noch stundenlang anhalten.

Individueller Therapieansatz
Je nach Form und Ausprägung wird in der Praxis von HausärztIn, NeurologIn oder in einem Kopfschmerzzentrum ein individuelles Therapiekonzept erstellt.
Betroffene sollten ihre Trigger kennen (Migräne-Tagebuch) und frühzeitig – sobald sich der Anfall ankündigt – Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol einnehmen. Bei stärkeren Schmerzen werden spezielle Migräne Medikamente (Triptane) empfohlen. Gegen Übelkeit /Erbrechen können Antiemetika verordnet werden.
Cortison kann im Fall einer mehr als 72 Stunden andauernden Attacke einmalig gegeben werden.
Mit der Ärztin oder dem Arzt wird besprochen, ob eine vorbeugende Therapie sinnvoll erscheint. Vor allem, wenn Betroffene arg leiden und beeinträchtigt sind oder durch häufige arge Attacken die Gefahr eines übermäßigen Konsums von Schmerzmitteln oder Triptanen besteht, kann dies gut sein.
Manche PatientInnen schaffen es mit Ausdauersport, Entspannungsverfahren oder Biofeedback, Attacken zu verringern. Diese nichtmedikamentösen Methoden sind begleitend immer empfohlen, auch wenn vorbeugende Medikamente (z.B. Propranolol, Flunarizin) verschrieben werden. Botox kann vorbeugend bei chronischer Migräne verabreicht werden. Auch monoklonale Antikörper als Spritze kommen in manchen Fällen zum Einsatz.

Manche MigränepatientInnen arbeiten zu Beginn einer Attacke mit Hausmitteln wie Pfefferminzöl, das auf Stirn und/oder Schläfen einmassiert wird, Wechselduschen, kalten Arm- oder Fußtauchbädern für einige Sekunden, damit sich die Gefäße verengen.
Eine Migränediät zur Vorsorge gibt es nicht. Wer seine Trigger wie Tyramin, Histamin, Koffein oder Glutamat kennt, soll entsprechende Lebensmittel meiden.
Akupunktur scheint als Migräne-Prophylaxe wirksam zu sein.

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